Perserkatze

Perserkatze: Pflege, Gesundheit und Qualzucht-Debatte

Nicht jede Perserkatze ist eine Qualzucht, aber extrem flache Gesichter machen krank: worum es in der Debatte geht, was das Gesetz sagt und woran Sie eine gesunde Zuchtlinie erkennen.

Nicht jede Perserkatze ist eine Qualzucht. Problematisch sind Tiere mit extrem verkürzter Nase und flachem Gesicht, die dadurch schlecht atmen, ständig tränende Augen, Zahnfehlstellungen oder entzündete Hautfalten haben. Solche Zuchten verbietet in Österreich § 5 des Tierschutzgesetzes und in Deutschland § 11b des Tierschutzgesetzes. Für Käuferinnen und Käufer heißt das: auf eine sichtbare Nase, offene Nasenlöcher, freie Atmung und klare Augen achten.

Steckbrief, Wesen und die tägliche Fellpflege der Rasse finden Sie auf der Seite Perserkatze. Dieser Artikel ordnet die Debatte ein: was Brachyzephalie körperlich bedeutet, was die Gesetze sagen, welche Zuchttypen es gibt und wie Sie eine verantwortungsvolle Zucht erkennen.

Worum es in der Debatte geht

Die Perserkatze ist eine der ältesten Rassen der Katzenzucht. Auf alten Fotos und Ausstellungsbildern hatte sie eine deutlich sichtbare Nase. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde in vielen Zuchtlinien ein immer runderes, flacheres Gesicht gewünscht und prämiert. Die Nase rückte nach oben zwischen die Augen, der Schädel wurde kürzer.

Tierärzte und Tierschutzorganisationen kritisieren diese Entwicklung seit Langem, weil der extreme Gesichtstyp mit vorhersehbaren Gesundheitsproblemen verbunden ist. Viele Züchter haben darauf reagiert und züchten bewusst wieder mit längerer Nase. Andere halten am extremen Typ fest, auch weil er auf manchen Ausstellungen weiterhin gefragt ist. Die Debatte dreht sich also nicht um die Rasse an sich, sondern um die Frage, wie flach ein Gesicht sein darf.

Was Brachyzephalie körperlich bedeutet

Brachyzephalie bezeichnet einen verkürzten Schädel. Je stärker er ausgeprägt ist, desto weniger Platz bleibt für die Strukturen im Gesicht. Die häufigsten Folgen:

Bereich Mögliche Folgen bei extremer Ausprägung
Atemwege verengte Nasenlöcher und Nasengänge, Schnarchen, Schnaufen, Atmen mit offenem Mund, geringe Belastbarkeit
Augen verlegte Tränenkanäle, ständiger Tränenfluss, Entzündungen von Bindehaut und Hornhaut, hervortretende Augen
Gebiss Zahnfehlstellungen und Kieferfehlbildungen, Probleme beim Aufnehmen von Futter
Haut entzündete Hautfalten im Gesicht durch Feuchtigkeit und Tränensekret
Wärmehaushalt schlechte Hitzeverträglichkeit, weil die Atmung zur Kühlung beiträgt

Nicht jedes kurznasige Tier hat alle diese Probleme, und die Übergänge sind fließend. Je extremer der Gesichtstyp, desto wahrscheinlicher und schwerer sind aber die Beschwerden. Hinzu kommt, dass viele Halter Anzeichen wie Schnarchen oder tränende Augen für rassetypisch und harmlos halten.

Wichtig: Atmet Ihre Katze mit offenem Mund, hechelt sie, wirken Zunge oder Schleimhäute bläulich oder bricht sie zusammen, ist das ein Notfall. Rufen Sie sofort eine Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst an. Kurznasige Katzen sollten an heißen Tagen immer kühle, schattige Plätze haben.

Doll-Face und Peke-Face: die Zuchttypen

Im Alltag werden vor allem zwei Begriffe verwendet. Beide sind keine offiziellen Rassebezeichnungen, beschreiben aber den Unterschied gut:

Doll-Face (traditioneller Typ) Peke-Face (extremer Typ)
Nase kurz, aber deutlich sichtbar, unterhalb der Augen sehr kurz, auf Augenhöhe oder darüber
Gesicht rund, mit erkennbarem Profil sehr flach, fast ohne Profil
Nasenlöcher meist offen häufig verengt
Augen rund, meist ohne starken Tränenfluss oft hervortretend, Tränenfluss häufig
Gesundheitsrisiko deutlich geringer hoch

Dazwischen gibt es viele Abstufungen. Für die Beurteilung zählt weniger der Name als das, was Sie an der einzelnen Katze sehen und hören.

Nicht nur Perser betroffen

Die Debatte um flache Gesichter betrifft nicht allein die Perserkatze. Auch die Exotic Shorthair, im Grunde eine kurzhaarige Variante der Perserkatze, wird häufig mit sehr kurzer Nase gezüchtet. Bei anderen Rassen mit rundem Kopf, etwa der Britisch Kurzhaar, wird ebenfalls darauf geachtet, dass das Gesicht nicht immer flacher wird. Die Kriterien für eine gesunde Kopfform gelten deshalb rasseübergreifend: sichtbare Nase, offene Nasenlöcher, freie Atmung, klare Augen und ein normaler Biss.

Die Rechtslage in Österreich

Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet in § 5 Qualzucht. Gemeint sind Zuchten, bei denen vorhersehbar ist, dass die Tiere oder ihre Nachkommen unter erblich bedingten Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst leiden. Das Gesetz nennt dafür Beispiele, darunter Atemnot, Entzündungen der Augen und Fehlbildungen des Gebisses, also genau die Probleme, die bei extrem kurznasigen Perserkatzen auftreten können.

Bemerkenswert ist, dass das Verbot über die Zucht hinausgeht: Auch der Import, der Erwerb, die Vermittlung, die Weitergabe und das Ausstellen von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen sind verboten. Mit der Novelle des Tierschutzgesetzes 2024 wurde das Qualzuchtverbot nachgeschärft und eine wissenschaftliche Kommission zur Beratung in Qualzuchtfragen vorgesehen.

Die Rechtslage in Deutschland

In Deutschland regelt § 11b des Tierschutzgesetzes das Qualzuchtverbot. Verboten ist es, Wirbeltiere zu züchten, wenn bei den Nachkommen Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen, untauglich oder so umgestaltet sind, dass dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Zur Auslegung wurde 1999 im Auftrag des zuständigen Bundesministeriums ein Gutachten erstellt, das sogenannte Qualzuchtgutachten. Es nennt die Brachyzephalie als problematisches Zuchtziel. Das Problem in der Praxis: Das Gesetz definiert nicht genau, ab wann ein Merkmal eine Qualzucht ist. Behörden und Gerichte müssen das im Einzelfall beurteilen, was die Durchsetzung erschwert. Bestrebungen, den Paragrafen mit konkreten Merkmalen zu präzisieren, sind bislang nicht umgesetzt.

Woran Sie eine verantwortungsvolle Zucht erkennen

Ergänzend zur allgemeinen Checkliste Seriöse Züchter erkennen sind bei Perserkatzen diese Punkte entscheidend:

  • Elterntiere ansehen: Beide Eltern sollten eine sichtbare Nase und offene Nasenlöcher haben. Fragen Sie nach Fotos des Vaters, wenn er nicht vor Ort lebt.
  • Atmung hören: In Ruhe sollte die Katze lautlos durch die Nase atmen, ohne Schnarchen, Schnaufen oder offenen Mund.
  • Augen prüfen: klar, nicht stark tränend, ohne braune Tränenstraßen und ohne gerötete Bindehaut.
  • Gebiss ansehen lassen: Ein normaler Biss ist wichtig, damit die Katze gut fressen kann.
  • PKD-Gentest: Lassen Sie sich den negativen Befund beider Elterntiere zeigen. Was hinter der Nierenerkrankung steckt, erklärt der Ratgeber PKD bei Perser und BKH.
  • Zuchtziel erfragen: Fragen Sie offen, welchen Gesichtstyp der Züchter anstrebt und warum. Eine gute Antwort spricht von Gesundheit, nicht nur von Ausstellungserfolgen.

Ein Züchter, der Schnarchen als „typisch Perser“ abtut oder tränende Augen für normal erklärt, ist kein guter Ansprechpartner.

Pflege bei kurznasigen Persern

Wer bereits eine Perserkatze mit kurzer Nase hat, kann viel für ihr Wohlbefinden tun:

  1. Augen täglich reinigen: Augenwinkel mit einem weichen, feuchten Tuch säubern, getrocknetes Sekret vorsichtig lösen.
  2. Gesichtsfalten pflegen: Falten trocken halten und auf Rötungen oder Geruch achten.
  3. Hitze vermeiden: kühle Rückzugsorte, keine pralle Sonne auf dem Balkon, Wasser immer verfügbar.
  4. Futter anpassen: flache Näpfe und eine Futterform, die die Katze gut aufnehmen kann.
  5. Regelmäßige Vorsorge: Augen, Atemwege und Zähne bei jedem Tierarztbesuch mit beurteilen lassen.

Dazu kommt die tägliche Fellpflege, die bei jeder Perserkatze unabhängig vom Gesichtstyp nötig ist. Wie Sie dabei vorgehen und Filz vermeiden, erklärt der Ratgeber Langhaarkatze bürsten.

Fazit: Die Rasse ist nicht das Problem, das Extrem ist es

Die Perserkatze kann eine ruhige, liebevolle Begleiterin sein, wenn sie aus einer Zucht stammt, die Gesundheit über extreme Optik stellt. Mit jeder Kaufentscheidung beeinflussen Käuferinnen und Käufer, welche Zuchtrichtung sich durchsetzt. Wer bewusst eine Perserkatze mit sichtbarer Nase und freier Atmung wählt, unterstützt verantwortungsvolle Züchter.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Doll-Face und Peke-Face?
Doll-Face bezeichnet Perserkatzen mit einer deutlich sichtbaren, kurzen Nase und einem weniger flachen Gesicht, manchmal auch traditioneller Typ genannt. Peke-Face, angelehnt an den Pekinesen, steht für ein extrem flaches Gesicht, bei dem die Nase auf Augenhöhe oder darüber liegt. Gerade dieser extreme Typ ist mit Atem-, Augen- und Zahnproblemen verbunden. Beide Begriffe sind keine offiziellen Rassebezeichnungen.
Ist die Zucht von Perserkatzen in Österreich verboten?
Nein, die Rasse an sich ist nicht verboten. Das Tierschutzgesetz verbietet aber Zuchten, bei denen Tiere oder ihre Nachkommen unter erblich bedingten Schmerzen, Leiden, Schäden oder Angst leiden, und nennt dafür Beispiele wie Atemnot oder Fehlbildungen des Gebisses. Auch der Import, Erwerb, die Vermittlung, Weitergabe und das Ausstellen solcher Tiere sind verboten.
Woran erkenne ich eine gesunde Perserkatze?
An einer sichtbaren Nase mit offenen Nasenlöchern, ruhiger Atmung ohne Schnarchen oder Schnaufen in Ruhe, klaren Augen ohne starken Tränenfluss, einem normalen Biss und einem gepflegten Fell. Fragen Sie außerdem nach dem negativen PKD-Gentest beider Elterntiere.
Warum schnarchen manche Perserkatzen?
Bei stark verkürztem Schädel sind Nasenlöcher und Atemwege oft verengt. Die Luft strömt dann mit Widerstand, was als Schnarchen, Schnaufen oder Atmen mit offenem Mund hörbar wird. Das ist kein niedliches Merkmal, sondern ein Hinweis auf Atembeschwerden und sollte tierärztlich beurteilt werden.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026.