Katze adoptieren

Zweitkatze: Vergesellschaftung Schritt für Schritt

Getrennte Räume, Geruchstausch, kurze Treffen: wie Sie eine zweite Katze behutsam einführen und woran Sie erkennen, ob die Zusammenführung auf gutem Weg ist.

Eine Zweitkatze wird am besten in Etappen eingeführt: erst getrennte Räume, dann Geruchstausch, dann Sichtkontakt und zuletzt kurze, begleitete Treffen. Das Tempo bestimmt immer die unsicherere der beiden Katzen. Wer sich Zeit lässt, verhindert, dass aus einem schlechten ersten Eindruck eine dauerhafte Feindschaft wird.

Katzen sind territorial, und eine fremde Katze im eigenen Revier bedeutet für die vorhandene Katze zunächst Stress. Gleichzeitig leben viele Katzen gern mit Artgenossen zusammen, vor allem Wohnungskatzen, deren Menschen tagsüber außer Haus sind. Eine durchdachte Zusammenführung ist deshalb die Grundlage für ein entspanntes Miteinander. Wie Sie eine Katze aus dem Tierheim oder von privat überhaupt auswählen, lesen Sie unter Katze adoptieren.

Passt eine zweite Katze?

Nicht jede Katze wünscht sich Gesellschaft, und nicht jede Kombination funktioniert. Die besten Chancen haben Katzen, die sich in diesen Punkten ähneln:

Kriterium Was gut passt Was eher schwierig ist
Alter ähnliches Alter oder zwei junge Katzen Kitten zu sehr alter oder kranker Katze
Temperament beide verspielt oder beide ruhig sehr wilde zu sehr scheuer Katze
Sozialerfahrung Katzen, die schon mit Artgenossen gelebt haben Katze, die jahrelang allein und ohne Katzenkontakt war
Gesundheit beide gesund, geimpft, kastriert ungeklärte Infektionen, unkastrierte Tiere

Das Geschlecht ist meist weniger wichtig als der Charakter, solange beide Katzen kastriert sind. Fragen Sie im Tierheim oder bei der abgebenden Person gezielt, wie die Katze mit anderen Katzen umgeht. Viele Tierheime kennen ihre Tiere gut und können einschätzen, ob eine Katze verträglich ist.

Vorbereitung vor dem Einzug

Planen Sie einen Raum, in dem die neue Katze die ersten Tage allein verbringt, etwa ein Schlaf- oder Arbeitszimmer. Dort braucht sie alles, was sie benötigt: Toilette, Futter, Wasser, Kratzmöglichkeit, Versteck und einen erhöhten Liegeplatz.

Lassen Sie die neue Katze vor dem ersten Kontakt tierärztlich untersuchen. Besprechen Sie mit der Praxis Impfstatus, Parasitenbehandlung und ob Tests auf ansteckende Erkrankungen wie Leukose (FeLV) oder FIV sinnvoll sind, besonders bei Katzen unbekannter Herkunft. Die vorhandene Katze sollte ebenfalls geimpft und gesund sein.

Verdoppeln Sie außerdem die wichtigsten Ressourcen in der Wohnung. Katzen streiten seltener, wenn sie nicht um Futterplätze, Toiletten oder Liegeplätze konkurrieren müssen. Als Faustregel gilt eine Toilette mehr als Katzen im Haushalt, bei zwei Katzen also drei, verteilt auf verschiedene Räume. Mehr dazu im Ratgeber Katzenklo: welche Streu, wie viele Toiletten.

Die Zusammenführung in sieben Schritten

Gehen Sie erst zum nächsten Schritt, wenn beide Katzen entspannt fressen, spielen und die Toilette normal benutzen.

  1. Ankommen im eigenen Raum: Die neue Katze bleibt zunächst in ihrem Zimmer und lernt Sie kennen. Die vorhandene Katze behält den Rest der Wohnung und ihre gewohnten Abläufe.
  2. Geruchstausch: Tauschen Sie Decken oder Kissen zwischen den Katzen aus. Sie können auch mit einem weichen Tuch über die Wangen der einen Katze streichen und es der anderen anbieten. Katzen lernen sich zuerst über den Geruch kennen.
  3. Füttern an der Tür: Stellen Sie die Näpfe auf beiden Seiten der geschlossenen Tür auf, anfangs mit etwas Abstand. So verbinden beide Katzen den Geruch der anderen mit etwas Angenehmem.
  4. Raumtausch: Lassen Sie die neue Katze die Wohnung erkunden, während die vorhandene Katze in einem anderen Raum ist. Danach darf die vorhandene Katze das Zimmer der neuen beschnuppern.
  5. Sichtkontakt mit Sicherung: Ein Gitter, ein Kinderschutzgitter mit Netz oder eine gesicherte Tür mit Spalt erlauben erste Blicke ohne Körperkontakt. Kombinieren Sie das mit Füttern oder ruhigem Spiel.
  6. Kurze, begleitete Treffen: Öffnen Sie die Tür für einige Minuten, wenn beide Katzen ruhig sind. Lenken Sie mit Spiel oder Leckerchen ab und beenden Sie das Treffen, bevor die Stimmung kippt.
  7. Längere gemeinsame Zeit: Verlängern Sie die Treffen nach und nach. Trennen Sie die Katzen anfangs weiterhin, wenn Sie nicht zu Hause sind oder schlafen.

Die Dauer der einzelnen Schritte ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Paaren reichen wenige Tage für den gesamten Ablauf, bei anderen dauert schon der Geruchstausch mehrere Wochen.

Normale Reaktionen und Warnzeichen

Ob eine Zusammenführung auf gutem Weg ist, zeigt die Körpersprache. Wie Sie Ohren, Schwanz und Laute deuten, erklärt der Ratgeber Katzensprache verstehen.

Normal am Anfang Warnzeichen: einen Schritt zurück
Fauchen, Knurren, kurzes Anstarren eine Katze verfolgt die andere durch die Wohnung
Ausweichen und Abstand halten eine Katze blockiert Futter, Wasser oder Toilette
aufgeplusterter Schwanz bei der ersten Begegnung Unsauberkeit oder Markieren in der Wohnung
vorsichtiges Beschnuppern, dann Rückzug eine Katze frisst nicht mehr oder versteckt sich dauerhaft
kurze Raufereien ohne Geschrei Kämpfe mit Schreien, ausgerissenem Fell oder Verletzungen

Positive Zeichen sind entspanntes Liegen im selben Raum, gemeinsames Spielen, gegenseitiges Köpfchengeben und später gegenseitiges Putzen. Nicht alle Katzen werden enge Freunde. Auch zwei Katzen, die sich tolerieren und friedlich nebeneinander leben, sind ein gutes Ergebnis.

Wichtig: Greifen Sie bei einem echten Kampf nie mit den Händen dazwischen. Trennen Sie die Katzen mit einem Kissen, einer Decke oder einem lauten Geräusch und bringen Sie sie in getrennte Räume. Bissverletzungen bei Katzen entzünden sich leicht und sollten tierärztlich angesehen werden, bei Mensch und Katze.

Wenn es nicht klappt

Rückschläge sind normal. Gehen Sie dann einen oder zwei Schritte zurück und bleiben Sie dort, bis beide Katzen wieder entspannt sind. Bestrafen Sie keine der Katzen, das verknüpft die andere Katze nur noch stärker mit etwas Unangenehmem.

Hilfreich sind in schwierigen Phasen:

  • Gemeinsame positive Erlebnisse: Spiel mit der Federangel, bei dem beide Katzen in sicherem Abstand jagen dürfen, oder Leckerchen in Sichtweite.
  • Mehr Ausweichmöglichkeiten: Regalbretter, Kratzbäume und Höhlen schaffen Rückzugsorte auf mehreren Ebenen und Fluchtwege, damit sich keine Katze in die Enge getrieben fühlt.
  • Feste Abläufe: Fütterungs- und Spielzeiten zur gleichen Zeit geben Sicherheit.
  • Gleichbehandlung der vorhandenen Katze: Sie sollte nicht weniger Aufmerksamkeit bekommen als vorher.

Verhält sich eine Katze plötzlich aggressiv oder unsauber, obwohl es bisher gut lief, lassen Sie zuerst körperliche Ursachen wie Schmerzen tierärztlich abklären. Bleibt die Situation über Wochen angespannt, kann eine Beratung durch eine auf Verhalten spezialisierte Tierarztpraxis helfen. In seltenen Fällen passen zwei Katzen dauerhaft nicht zusammen. Dann ist es fairer, für eine der beiden ein neues Zuhause zu suchen, als beide in Dauerstress leben zu lassen.

Typische Fehler bei der Zusammenführung

  • Direkt zusammensetzen: Die neue Katze wird in der Transportbox ins Wohnzimmer gestellt und geöffnet. Der erste Kontakt findet dann unter maximalem Stress statt.
  • Zu schnell weitergehen: Ein guter Tag bedeutet noch nicht, dass beide Katzen bereit sind. Warten Sie mehrere entspannte Begegnungen ab.
  • Zu wenig Ressourcen: Eine einzige Toilette oder ein gemeinsamer Futterplatz für beide Katzen führt fast zwangsläufig zu Konflikten.
  • Vorhandene Katze vernachlässigen: Wer sich nur um die neue Katze kümmert, verunsichert die alte zusätzlich.
  • Katzen „das unter sich ausmachen lassen“: Ernste Kämpfe lösen sich selten von allein, sie verfestigen die Abneigung.

Sonderfall: zwei Kitten oder ein Paar aus dem Tierheim

Am einfachsten ist es, zwei Katzen gleichzeitig aufzunehmen, die sich bereits kennen, etwa Wurfgeschwister oder ein Paar, das im Tierheim zusammengelebt hat. Eine Zusammenführung entfällt dann weitgehend. Auch hier braucht der Einzug Ruhe: Geben Sie beiden zunächst einen Raum, in dem sie die neue Umgebung gemeinsam erkunden, bevor die ganze Wohnung freigegeben wird.

Checkliste für die Zusammenführung

  • Passen Alter, Temperament und Energie der beiden Katzen zusammen?
  • Ist die neue Katze tierärztlich untersucht, geimpft und kastriert?
  • Steht ein eigener Raum mit voller Ausstattung bereit?
  • Gibt es genug Toiletten, Futterstellen, Wasserstellen und Liegeplätze?
  • Haben Sie Zeit, in den ersten Wochen zu Hause zu sein und die Treffen zu begleiten?
  • Wissen Sie, welche Signale normal sind und welche einen Schritt zurück verlangen?

Weitere Grundlagen zur Einrichtung einer katzengerechten Wohnung finden Sie unter Katzenhaltung.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lange dauert es, bis sich zwei Katzen vertragen?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Katzen akzeptieren sich nach wenigen Tagen, bei anderen dauert es mehrere Wochen oder Monate. Entscheidend ist nicht die Zeit, sondern dass sich beide Katzen in jedem Schritt entspannt verhalten, bevor Sie zum nächsten übergehen.
Ist Fauchen bei der Zusammenführung normal?
Ja. Fauchen und Knurren bei den ersten Begegnungen sind eine Warnung und Teil der normalen Verständigung. Bedenklich wird es, wenn eine Katze die andere dauerhaft verfolgt, angreift oder wenn eine Katze nicht mehr frisst, sich nur noch versteckt oder unsauber wird.
Passt ein Kitten zu einer älteren Katze?
Oft nicht gut. Ein Kitten will viel spielen und toben, eine ältere, ruhige Katze ist davon schnell überfordert. Besser passen Katzen mit ähnlichem Alter und Temperament. Ein Kitten kommt am besten mit einem gleichaltrigen Spielgefährten oder einer verspielten jungen Katze zurecht.
Soll die neue Katze vor dem Einzug zum Tierarzt?
Ja, das ist sinnvoll. Lassen Sie die neue Katze vor dem ersten Kontakt untersuchen, auf Parasiten behandeln und klären Sie mit der Praxis, ob Tests auf ansteckende Erkrankungen wie Leukose (FeLV) oder FIV ratsam sind. Auch die vorhandene Katze sollte geimpft und gesund sein.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026.